| Il Chapütschin (3386m), Piz Glüschaint (3596m) |
Die Idee zur Besteigung des Glüschaint vom 28.-30.8.1996 wurde am Freitag abend geboren,
als wir mit Landeskarte und Alpenführer bewaffnet nach einer Tour
Ausschau hielten. Dabei erschien ein Gipfel in der Nähe des Berninamassivs
lohnenswert, der mit einer Höhe von 3596 Metern die benachbarten Gipfel
überragte und dessen Besteigung als "ziemlich schwierig"
eingestuft wurde. Er bildet den Abschluss des Val Roseg und ist auch von
Pontresina aus zu erkennen.
Das Bergwander-Wochenende begann Samstags um 6.00 Uhr mit der Fahrt von
Zürich nach Surlej und dem leichten Gewinn von Höhenmetern durch
die Unterstützung der Corvatsch-Bergbahn. Um 9.30 Uhr begann unsere
Tour von der Mittelstation aus mit einem etwa 2stündigen Abstieg (!)
zur Coaz-Hütte (sie liegt einige Meter tiefer als die Mittelstation).
Gegen 12.00 Uhr
kamen wir auf der Hütte Coaz an und wollten den Tag dann allerdings
noch nutzen. Von der Hütte aus kann man sehr gut einen möglichen
Anstiegsweg auf den Piz Glüschaint ausmachen. Der Il Chapütschin
und der Piz Glüschaint wurden aufgrund des Hüttenbuchs drei Wochen
zuvor zum letzten Mal bestiegen, weswegen man auch keine Aufstiegsspur
erkennen konnte. Deshalb war unsere Überlegung aufgrund der Schneemassen
zunächst auch, bis zur Hälfte des Glüschaints eine Spur zu legen. Wir entschieden
uns jedoch dafür, den eigentlichen Hausberg der Hütte, den Il
Chapütschin, zu besteigen und sind dazu gegen13.00 Uhr aufgebrochen.
Der Weg führte nochmals ein Stück unseres Anstiegwegs zurück,
wo es dann auf einer gut sichtbaren Moräne auf den Gletscher ging
und zunächst angeseilt wurde.
Der Anstieg auf dem spaltenarmen (?, man sah zumindest keine ;-)) Gletscher
gestaltete sich sehr mühsam, da keine Spur vorhanden war und eine
etwa 20-30cm hohe Schneeschicht von einer gefrorenen Schneeschicht überzogen
war, die bei jedem Schritt einbrach. Etwa 100m unterhalb des Gipfels gelangt
man dann auf ein Plateau, von dem aus man über den Westgrat mit etwas
Kletterei den Gipfel erreicht (Bild links). Um 17.00 Uhr erreichten wir
schliesslich den Gipfel.
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Vom Il Chapütschin kann man sehr schön den Grat hinüber
zum Piz Corvatsch erkennen (Bild unten links), dessen Begehung wir unter
Umständen in Erwägung gezogen hätten, wenn nicht so viel
Schnee vorhanden gewesen wäre. Ebenfalls sehr gut erkennbar war der
Anstiegsweg hinauf zum Piz Glüschaint (Bild unten rechts), auch wenn
keine direkte Aufstiegsspur erkennbar war. Der Gipfel befindet sich rechts
ausserhalb des Bilds.
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Da wir erst gegen 17.00 Uhr den Gipfel erreichten, drängte die
Zeit, um vor Einbruch der Dunkelheit wieder in der Hütte zu sein.
Gegen 18.30 Uhr erreichten wir wieder die Hütte und konnten uns auf
eine gute Mahlzeit freuen.
Aufgrund der Tatsache, dass dieser Tag sehr viel Kraft gekostet hat, glaubten
wir, den Gipfel des Glüschaints am nächsten Tag auf keinen Fall
allein erreichen zu können. Zufällig trafen wir jedoch in der
Hütte auf drei Deutsche, die ebenfalls mit dem Gedanken spielten,
den Glüschaint zu besteigen. Am späten Abend entschlossen wir
uns, gemeinsam den Aufstieg zu wagen und uns die Führungsarbeit so
zu teilen, dass abwechselnd jede Seilschaft für einige hundert Meter
eine Spur legte, in der die andere Seilschaft mit sehr viel weniger Mühe
hinterherstapfen konnte.
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Unsere Route
führte uns an steil abfallenden Gletscherspalten vorbei und zum Teil
auch drüber. Nachdem wir alle Gletscherspalten hinter uns gelassen
hatten, stiessen wir im Gipfelbereich noch auf verschneiten Fels, der uns einiges an
Kletterei und Sicherung mit dem Seil abverlangte. Es wurde auf den letzten
Metern aufgrund starken Windes und von unten preschenden Schneekristallen nochmals
unangenehm, jedoch war auch dies in Anbetracht des in Reichweite liegenden
Gipfels kein Hindernis mehr und wir erreichten den Gipfel, auf dem wir
zu fünft gerade mal Platz fanden.
Auf dem Bild rechts kann man hinter mir (ich gebe zu, es war etwas
kühl) das Val Roseg mit Pontresina erkennen. Das Gipfelerlebnis (unteres
Bild: links Noldi, rechts Dortmund-Fan) dauerte nur wenige Minuten, da
ein unangenehmer, kalter Wind blies und es echt kalt war. Deshalb konnten wir gar nicht mehr
die herrliche Aussicht geniessen. Ein Gipfelfoto war Pflicht und danach
machten wir uns an den Abstieg. Sobald die letzten Gletscherspalten erfolgreich
überwunden waren, liessen wir die Steigeisen im Rucksack verschwinden,
da unter den Bergschuhen ständig grosse Schneemengen festklebten.
Aufziehende Wolken und erkennbare Regenschauer in der Gegend des Piz Kesch
liessen uns das Tempo verschärfen und so erreichten wir um 17.00 Uhr
wieder die Hütte und wollten uns nach einer Pause an den Abstieg ins
Tal machen.

Kurz vor Dunkelheit erreichten wir die Fuorcla de Surlej und entschlossen uns, aufgrund fehlender Ausrüstung meinerseits (Taschenlampe, Biwaksack) die Nacht noch in der Hütte zu verbringen und erst am nächsten Morgen zur Seilbahn-Mittelstation hinabzusteigen und ins Tal zu fahren. Damit ging eine in jeder Hinsicht eindrucksvolle und spannende Bergtour zu Ende.
Michael Benz, 28.11.1996
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Akademischer Alpen-Club Zürich
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