AACZ - Expedition Aksay 1998
 

Das Expeditionsgebiet

Das Zielgebiet unserer Expedition liegt in Zentralasien. Die Region wird von zum Teil noch heute nomadisierenden Turk-Völkern besiedelt; ihre Sprachen sind dem Türkischen eng verwandt. Politisch wird Zentralasien durch die ehemaligen Sowjetrepubliken Tadschikistan, Kasachstan, Kirgistan, Usbekistan und Turkmenistan gebildet, dazu kommt in China die Autonome Region Xinjiang, wo die Ackerbau betreibenden Uiguren leben. Das Gebiet, das auch Turkestan genannt wird, bildet eine muslimisch geprägte ethnische und kulturelle Einheit, die auch durch die jahrzehntelange hermetische Schliessung der chinesisch-sowjetischen bzw. chinesisch-pakistanischen Grenze nicht zerstört wurde.

Der chinesische Teil Zentralasiens bildet Chinas nordwestlichste Provinz, die Autonome Region Xinjiang (auch: Chinesisch-Turkestan, Sinkiang). Xinjiang ist mit 1,65 Millionen Quadratkilometern die grösste "Provinz" der Volksrepublik China. Auf einem Sechstel der Gesamtfläche lebt jedoch nur etwa ein Vierzigstel der chinesischen Gesamtbevölkerung. Unter den 12 Millionen Einwohnern Xinjiangs (1984) ist das Turkvolk der Uiguren mit 5,64 Millionen die grösste Bevölkerungsgruppe. Kasachen, Kirgisen und Mongolen sind weitere Minderheiten, die neben den Han-Chinesen die Provinz bevölkern. Xinjiang ist eine jener fünf Provinzen Chinas, die wegen ihres hohen Minderheitenanteils den Status einer autonomen Region erhalten haben.

Der Südwesten Xinjiangs liegt im Schnittpunkt von fünf grossen Gebirgszügen: Tien Shan, Pamir, Hindukusch, Karakorum und Kunlun. Hier liegt auch ein bedeutender Knotenpunkt der historischen Seidenstrasse, über die in der Antike und im Mittelalter der Handel chinesischer Waren über Zentralasien nach Europa lief. Heute sorgt vor allem der in den achtziger Jahren für den Tourismus freigegebene Karakorum Highway über den rund 5000 m hohen Kunjerab-Pass für regen Personen- und Handelsverkehr nach Pakistan. Die Öffnung der Grenze zur ehemaligen Sowjetunion lässt den Verkehr auch in diese Richtung anwachsen. Die Oase Kashgar ist ein altes Handelszentrum und war zu Zeiten des "Great Game" in den dreissiger Jahren dieses Jahrhunderts das zwischen der Sowjetunion, Grossbritannien, dem kaiserlichen China und lokalen Potentaten umkämpfte und umworbene Zentrum des damals teilweise unabhängigen Xinjiang.

Nachdem Xinjiang in den Jahrzehnten des kalten Krieges von der nichtchinesischen Aussenwelt weitgehend abgeschottet war, begann sich in den achtziger Jahren eine Öffnung abzuzeichnen, die immer weitere Fortschritte macht. Mit der Auflösung der Sowjetunion und der Unabhängigkeit der zentralasiatischen Republiken begannen alte, kulturell bedingte Verbindungen zwischen diesen Ländern wieder zu funktionieren.

Daneben soll nicht verschwiegen werden, dass Xinjiang heute zu Chinas Unruheherden gehört. Separatistische Uiguren machen regelmässig mit blutigen Anschlägen auf sich aufmerksam und kämpfen weitgehend im Untergrund gegen die Okkupation und Majorisierung durch die Volksrepublik China. Diese ihrerseits antwortet mit drakonischen Strafen und verstärkt insbesondere den Einwanderungsdruck. Der Anteil der Han-Chinesen an der Bevölkerung Xinjiangs nimmt jedoch weiter zu.

Edgar Schuler


AACZ   Akademischer Alpen-Club Zürich
AACZ / 15. Apr. 2005 (ab)
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